Ein Lebenszeichen aus Milwaukee

Milwaukee Panorama

Hallo liebe Leser,

nachdem wir uns nun seit fast 2 Monaten in Milwaukee befinden, möchten wir euch von unseren Erlebnissen berichten. Wir, das sind Alex, Anja, Evelyn und Marcel. Trotz aller Steine, die die amerikanischen Sicherheitsbehörden ausländischen Studenten in den Weg legen, betraten wir Anfang August im Flughafen O’Hare in Chicago amerikanischen Boden. Mit dem Bus ging es von dort weiter nach Milwaukee, wo wir zum ersten Mal unser Haus für dieses Jahr betraten. Das „German House“ befindet sich seit Jahren fest in Ulmer Händen, was den Vermieter sehr freut, da die Deutschen seiner Aussage nach sehr ordentlich sind. Wir werden sehen, ob wir diesen Erwartungen gerecht werden können. Das Haus liegt nur 10-15 Minuten vom Campus entfernt, zu dem wir uns sofort aufmachten, als wir unseren Jet-lag ausgeschlafen hatten. Ein Dozent, der sich freute, uns den Campus zeigen zu können, führte uns herum und zeigte uns, wo wir unsere Studentenausweise bekommen, einen Bank Account eröffnen usw. auf dem ganzen Campus sieht man, wofür die horrenden Studiengebühren (die wir ja glücklicherweise nicht zahlen müssen) eingesetzt werden. Die Uni bemüht sich nicht nur darum, dass alle Gebäude immer in bestem Zustand sind und dass der Campus mit Parkanlagen einen einladenden Eindruck macht, sondern bietet den Studenten auch größtmöglichen Komfort. Dazu gehören z. B. Computerterminals fast überall, eine eigene Bank für die Studenten und Mitarbeiter, jede Menge kostenlose Events und ein Ruftaxi, das Studenten ab 6 Uhr abends nach Hause bringt. Freitagabends machten wir uns auf zu den „Internationals“, was uns von allen ehemaligen wärmstens empfohlen wurde. Familie Meyer öffnet unweit des Campus jeden Freitag ihr Haus für alle internationalen Studenten und manchmal befinden sich bis zu 100 Leute in diesem Einfamilienhaus. Finanziert von einer Kirchengemeinde gibt es dort Abendessen & Snacks, Billard, Tischfußball & Tischtennis, kostenlose Einrichtungsgegenstände für neue Studenten und das Wichtigste: jede Menge nette Leute, mit denen man sich stundenlang unterhalten kann und die unglaublich hilfsbereit sind. So wurden wir schon am nächsten Tag durch Milwaukee gefahren um uns Mobiltelefone zu besorgen und die „State Fair“ zu besuchen, eine Landwirtschaftsausstellung, die aber mittlerweile eher ein Jahrmarkt ist. Nachdem wir eine Woche Milwaukee und vor allem den Strand am Lake Michigan im Sommer genossen hatten, begannen die Einführungswochen an der Uni und das hieß vor allem jede Menge neuer Papierkrieg und x-mal die gleichen Vorträge anhören. Das Mathe Institut, das International Office, die Graduate School und und und, alle wollten uns an der University of Wisconsin Milwaukee willkommen heißen. Im Institut bekamen wir dabei unsere Büroschlüssel. Jeder Graduate Student hat hier seinen eigenen Schreibtisch in einem Büro, das er sich mit einigen anderen Studenten teilt. Zwischen den gefühlten 1000 Willkommensreden hatten wir dennoch Zeit, einen Tagesausflug nach Chicago einzulegen. Bei brütender Hitze besuchten wir die klassischen Touristenattraktionen Chicagos, wie dem Willis-Tower, das 2-höchste Gebäude der USA inklusive Glasboden-Aussichtsplattform, oder das „Cloud Gate“, eine riesige Bohne aus spiegelndem Stahl, und aßen Illinois traditionelles Gericht, die „Deep dish pizza“, von der wir allerdings nicht sehr überzeugt waren (allgemein hat uns Amerika leider außer ziemlich guten Burgern und stark kalorienhaltigen Nachtischen kulinarisch noch nicht viel geboten).

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Anfang September ging dann der Unialltag los und damit auch unsere Arbeit als Math 105 und 211 instructors. In Math 105 dürfen alle Studenten, die im Mathe-Placementtest zu schlecht abgeschnitten haben, nochmal den Stoff der 6.-9. Klasse wiederholen, während in Math 211 etwas erfahrenere Nicht-Mathematiker die Grundzüge der Analysis erlernen. Im Gegensatz zu deutschen Universitäten fungieren wir eher wie Lehrer in der Schule: Wir unterrichten Klassen von etwa 30 Personen, schreiben Kurztests und sammeln Hausaufgaben ein. Dazu gehört auch jede Menge organisatorisches, wie das organisieren der Online-Hausaufgaben-Plattform oder die Klassenlisten, denn fast jeder neue Student muss die Kurse hören und der Platz ist beschränkt, also versuchen die Studenten mit allen Möglichkeiten in die Kurse zu kommen. Auch die Vorlesungen, die wir selbst hören, laufen anders ab als in Ulm. Anstatt Hörsäle zu füllen, werden die Kurse meist auf maximal 20 Teilnehmer beschränkt, was viele Dozenten dazu bewegt, das Publikum viel stärker mit Fragen in den Vortrag einzubinden. Statt Übungsblättern gibt es Hausaufgaben aus dem Buch, die vom Professor persönlich korrigiert werden und in die Endnoten einfließen. Die übrige Benotung hängt vom jeweiligen Dozenten ab. Manche schreiben mehrere Klausuren über das Semester verteilt, andere lassen uns an einem Projekt arbeiten, welches wir am Ende vorstellen müssen. Die deutsche Methode einer Klausur, die die gesamte Note ausmacht, gibt es hier nicht. Mit dem Semesterstart konnten wir auch endlich ins Klotsche-Center, dem Sportzentrum der UWM, gegen das das Ulmer Uni-Sport leider einpacken kann. Über mehrere Etagen unterhält die Uni hier unter anderem ein Schwimmbad, mehrere topmoderne Sporthallen, ein riesiges Fitnessstudio und eine Arena, in der die unzähligen Mannschaften gegen andere Universitäten antreten. Für Studenten ist das alles kostenlos, gegen ein paar Dollar kann man Sportgeräte leihen, ein Schließfach mieten oder eine Handtuch-Flatrate buchen. Auch hier sieht man gut, welche unzähligen Möglichkeiten es gibt, die Studiengebühren wieder loszuwerden. Dieses Wochenende machten wir uns zu unserem ersten richtig großen Trip auf: Mit einem Mietwagen und einer französischen Geschichtsstudentin ging es auf nach Niagara Falls, Kanada. Nach 12 stündiger Fahrt kamen wir mitten in der Nacht in unserem Motel an, um am nächsten Morgen früh zu den Fällen aufzubrechen. Wir reihten uns in den Strom der Touristenmassen ein, um die Fälle aus nächste Nähe zu bestaunen. Mit unserem Adventure Pass hatten wir Zutritt zu den spektakulärsten Touristenattraktionen wie einer Bootstour mitten ins Herz des größten Wasserfalls auf kanadischer Seite und einem Pfad, der uns bis auf 10 Fuß an einen der amerikanischen Fälle brachte. Dank sonnigem Wetter und kostenlosen Plastikregenmänteln an jeder Attraktion, trockneten wir hinterher recht schnell und machten uns am nächsten Tag auf den Weg über Cleveland zurück nach Milwaukee. Bisher sind wir alle der Meinung, dass sich der Aufwand für die ganzen Tests und Botschaftsbesuch im Vorfeld des Programms definitiv gelohnt hat.

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